SOS im Atlantik

 

Ein schwerbeladener, alter Dampfer kämpfte sich in einem

 starken Sturm über den Atlantik. Das eiserne Schiff stöhnte

 in allen Fugen, so dass die Mannschaft besorgt alle Lade- und Maschinenräume untersuchte.


Die Meldungen an den Kapitän klangen beruhigend, noch wurden

 nirgendwo Risse oder Wassereinbrüche festgestellt.

 Die Matrosen achteten nur auf das laute Ächzen und Knirschen

 des stählernen Schiffsrumpfs, sie hörten jedoch nicht die klagende

 Stimme einer kleinen Schraube:


"Ich kann nicht mehr. ich kann einfach nicht mehr!

 Die Wellen schlagen mich zusammen, es geht über meine Kräfte!

 Lange kann ich die beiden Stahlplatten nicht mehr zusammenhalten.

 Wenn das so weitergeht, platze ich bald!" 

Als das die anderen Schrauben hörten, brachen sie in Panik aus: 


"Um Gottes willen bleibe tapfer! Wenn Du versagst, halten auch

 wir den Druck nicht mehr aus. Dann wird die Spannung für uns

 zu gross, und wir werden alle durch die Wucht der

 Wellen herausgesprengt!" 


Die Schreckensnachricht von der verzweifelten Todesangst

 der kleinen Schraube verbreitete sich blitzschnell über

 das ganze Schiff. Die Platten, Stahlböden, Rippen hörten

 alle davon und erstarrten vor Schrecken und Angst. Da ging ein

 Raunen und Flüstern durch den riesigen Schiffskörper,

 und alle beschlossen, eine gemeinsame Botschaft an die

 kleine Schraube zu senden:


"Liebe kleine Schraube! Wir bitten Dich um alles in der Welt:

 Halte aus! Jeder Sturm, auch dieser, geht mal vorüber. Lass uns

 nicht im Stich! Du bist ein guter Kamerad, liebe Schraube,

 und hast uns so viele Jahre schon sicher über alle

 Meere getragen!


Wenn Du jetzt aufgibst, platzen alle anderen Schrauben

 und Deine Platte fällt heraus. Die Wassermassen werden

 in unseren eisernen Rumpf stürzen und uns alle in den

 Abgrund reissen. Ohne Dich und Deine Tapferkeit werden wir nie

 mehr die Heimat erreichen. Wir vertrauen auf Dich und Deine

 in Jahrzehnten erprobte Ausdauer!"


Als die kleine Schraube diese grossartige Botschaft hörte,

 wurde sie von Freude und Stolz erfüllt: Nie hätte sie geahnt,

 dass ihr eine solch ungeheure Bedeutung für das ganze

 Schiff beigemessen wurde, ja, dass sie absolut unentbehrlich ist. 

Das Vertrauen, das die anderen ihr schenkten, liess die kleine

 Schraube über sich hinauswachsen und stärkte ihr

 Verantwortungsbewusstsein. Sie sagte: "Liebe Freunde!

 Eure Botschaft hat mich ermutigt und meine Kräfte verdoppelt.

 Seid beruhigt: Niemals werde ich Euch im Stich lassen!

 Ich werde durchhalten, denn Eure Freundschaft hat mich

 stark gemacht!" Kein Zweifel das grosse Schiff hat dank

 der Tapferkeit der kleinen Schraube und all ihrer Freunde

 sicher den Hafen erreicht.


Wenn diese Geschichte auch nur ein Märchen ist, so hat sie

 doch eine tiefe Bedeutung: diese Symbolerzählung des

 englischen Dichters Rudyard Kipling ist ein Sinnbild für unser Leben.

 Wir können uns alle in diesem Märchen wiederfinden, egal, ob

 wir nur eine kleine Schraube oder eine grosse Stahlplatte sind.

 Jeder ist an seinem Platz wichtig - es kommt auf jeden an!

 Niemand ist ersetzbar, weil alle Menschen ihre Fähigkeiten

 einbringen sollen für die Gemeinschaft. Man darf auch kleinere

 Freunde nicht geringschätzen. 

Auch die unscheinbarste Schraube kann mit ihren Kräften

 sehr viel Gutes bewirken. Wenn ein Einzelner ausfällt,

 kann das manchmal eine verheerende Wirkung haben.

 Niemand ist eine Insel, wir sind alle aufeinander angewiesen.

 Deshalb dürfen wir unsere Talente nicht brachliegen lassen,

 sondern müssen sie einsetzen für die gute Sache:

 "Gottes Gaben werden in unseren Händen stets zu

Au f g a b e n! "

  Dafür brauchen wir viel Mut, Kameradschaft und die Hilfe Gottes.