Die Spezialmutter

 

Die meisten Frauen werden durch Zufall Mutter,

 manche freiwillig, einige unter gesellschaftlichem Druck,

 und ein paar aus reiner Gewohnheit.


Haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht,

 nach welchen Gesichtspunkten die Mütter behinderter oder kranker Kinder

ausgewählt werden????


Ich stelle mir Gott vor, wie er über die Erde schwebt

 und sich die Werkzeuge seiner Arterhaltung mit größter Sorgfalt

 und Überlegung aussucht. Er beobachtet genau und diktiert

 dann seinen Engeln Anweisungen ins riesige Buch.


Er nennt einen Namen und sagt:

 „Der gebe ich ein behindertes Kind!

„Warum gerade ihr, Herr? Sie ist doch so glücklich!“


„Gerade deswegen!“, sagt Gott lächelnd.

 Kann ich einem behinderten Kind eine Mutter geben

 die das Lachen nicht kennt? Das wäre grausam.“


„Aber hat sie denn die nötige Geduld“ fragt der Engel.


„Ich will nicht, dass Sie zuviel Geduld hat,

 sonst ertrinkt Sie in einem Meer von Selbstmitleid und Verzweifelung.

 Wenn der anfängliche Schock und Zorn erst abgeklungen ist,

 wird Sie es tadellos schaffen. Ich habe Sie heute beobachtet.

 Sie hat den Sinn für Selbstständigkeit und Unabhängigkeit,

 die bei Müttern so selten und so nötig sind.


Verstehst Du? Das Kind, dass ich ihr schenken werde,

 wird in seiner eigenen Welt wohnen. Und sie muss es zwingen,

 in der ihren zu leben, das wird nicht einfach sein.

 Aber Herr, soviel ich weiß, zweifelt sie manchmal an Dir!“

 Gott lächelt. „Das macht nichts,


das bringe ich schon in Ordnung!

 Nein, sie ist hervorragend geeignet. Sie hat genügend Egoismus.

 „Der Engel ringt nach Luft.

 „Egoismus? Ist das eine Tugend?“


Gott nickt. „Wenn sie sich nicht gelegentlich von dem Kind

 trennen kann, wird sie das alles nicht überstehen.


Diese Frau ist es, die ich mit einem nicht vollkommen Kind

 beschenken werde.


Sie weiß es zwar nicht, aber sie ist zu beneiden!

 Nie wird sie ein gesprochenes Wort als etwas

 Selbstverständliches hinnehmen. Nie einen Schritt

 als etwas Alltägliches.


Wenn Sie Ihrem Kind einen Baum,

 einen Sonnenuntergang erklärt,

 wird sie ihn so sehen, wie nur wenige Menschen

 ihn jemals sehen.


Ich werde ihr erlauben, alles deutlicher zu erkennen,

 was auch ich erkenne

- Unwissenheit, Grausamkeit, Vorurteile und ich werde ihr erlauben,

 sich darüber zu Erheben.


Sie wird niemals alleine sein. Ich werde bei ihr sein

 an jedem Tag ihres Lebens, jede Minute, weil sie meine Arbeit

 eben so sicher tut, als sei sie hier oben neben mir.“


„Und was bekommt sie für einen Schutzheiligen???“


Fragt der Engel mit gezückter Feder.

 

Da lächelt Gott.

 

„Ein Spiegel wird genügen!“